Karmelitenkloster Würzburg

Karmelitenkloster Würzburg

Geschichte

Bild vergrößern Die Klosterkirche St. Joseph und St. Maria Magdalena sowie die südlich anschließenden Klostergebäude liegen in der einstigen Sandervorstadt. Diese Vorstadt wurde im Zuge der ersten Stadterweiterung um 1200 in die Ummauerung Würzburgs eingeschlossen. Reste dieser Mauer befinden sich im heutigen Klostergarten.

Vor der Ansiedlung der Karmeliten befand sich hier spätestens seit 1227 das Kloster der Schwestern zur büßenden Hl. Magdalena, den sogenannten Reuererinnen. Der Orden der Büßenden Schwestern erlebte im 13. Jahrhundert im deutschen Raum seinen Höhepunkt mit über 40 Klöstern. Im Zuge der Reformation gingen die meisten Häuser dieses Ordens unter. Auch in Würzburg wurde das Kloster um die Mitte des 16. Jahrhunderts aufgegeben. Der volkstümliche Name Reuererkirche ist allerdings bis heute geblieben sowie das zweite Patrozinium St. Maria Magdalena.

Die leer stehenden Klostergebäude wurden 1627 einigen Mönchen aus Köln des von Teresa von Ávila und Johannes vom Kreuz neu gegründeten Ordens der Unbeschuhten Karmeliten zugewiesen. Nach dem Bezug der alten Gebäude wurden sehr rasch Pläne für einen Neubau ausgearbeitet. Die Klausurgebäude waren jedoch aufgrund des 30-jährigen Krieges erst 1661 fertiggestellt, während sich der Kirchenbau noch bis 1669 hinzog.

Der barocke Innenraum der Reuererkirche vor der verheerenden Zerstörung im 2. Weltkrieg. Aufnahme von 1913 Der barocke Innenraum der Reuererkirche vor der verheerenden Zerstörung im 2. Weltkrieg. Aufnahme von 1913 Im Gegensatz zu dem Karmelitenkloster des Stammordens in der Karmelitenstraße (jetzt Teil des Rathauses) und allen anderen Ordensgemeinschaften wurden die Würzburger Unbeschuhten Karmeliten 1803 nicht säkularisiert. Dadurch wurden die Würzburger Unbeschuhten Karmeliten zum Ausgangspunkt für die Wiederbelebung der bayerischen (heute deutschen) Provinz.

Der verheerende Bombenangriff vom 16.3.1945 verschonte auch die Karmelitenkirche nicht. Sämtliche Gewölbe wurden zerstört, die Ausstattung verbrannte bis auf geringe Reste. Der Wiederaufbau der Architektur erfolgte bis 1950.

Etwa 500 Menschen überlebten die Katastrophe in der weiträumigen Krypta unter der Kirche, wo während des Infernos ein Kind zur Welt kam.

In den Jahren 1958 erhielt die Kirche eine schlichte, provisorische Ausstattung sowie Gemäldeleihgaben der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen. 1967 wurde ein Volksaltar aufgestellt. Ab 1976 setzten Planungen zu einer umfassenden Neuausstattung ein, mit dem Ziel, die Vielfalt und den Reichtum der verlorenen, barocken Ausstattung mit zeitgenössischen Formen und Mitteln wiederzugewinnen.

Bis 2001 konnten wesentliche Bestandteile dieses Konzepts, dessen maßgeblicher Schöpfer der Bildhauer und Maler Paul Nagel ist, durch das Engagement der Karmeliten umgesetzt werden.

Heute wirken die Würzburger Karmeliten hauptsächlich in der Seelsorge und der theologisch-philosophischen Ausbildung des Ordensnachwuchses.

Dieser Textauszug, die Archivbilder und Fotografien auf dieser Webseite sind der Broschüre „Die Karmelitenkirche zu Würzburg“ (Text: Martin Brandl, Bamberg) entnommen.

Die 31-seitige, reich bebilderte Text-Broschüre aus dem Kunstschätzeverlag kann gegen eine Gebühr von 3,50 € beim Karmelitenkloster bestellt werden.